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Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross

1 TOSTO

Bei vielen Mountainbikern reift irgendwann der Gedanke, ein solches Unterfangen einmal im Leben zu realisieren. Ist der Beschluss gefasst, tauchen dann die üblichen Anfragen in den einschlägigen Foren auf ...
Hat jemand Vorschläge? Was muss ich alles beachten? Wie und wie viel muss ich trainieren? Muss ich meine Ernährung gar umstellen? Und die Höhenmeter und die Kosten, es soll natürlich alles so günstig wie möglich sein, welcher Rucksack, wie viel Liter Inhalt, Trinkblase ja oder nein, Ersatzteile, GPS u.u..

Das Wort Alpencross oder AlpenXX bringt natürlich schon einmal eine Dimension XXXL in die Köpfe der Biker. Beim Lesen bekomme ich oft das Gefühl, das es bei so manchen ein Lebensprojekt wird, gleichzusetzen mit dem Ingenieursstudium. Andere wiederum profilieren sich mit ihren Alpentouren und lassen in ihren Berichten und Antworten, bei denen die so etwas noch nicht gemacht haben, ein Gefühl aufkommen, ein Alpencross grenze schon an etwas Göttliches. staun
Man ersetze das Wort Alpencross mit Mehrtagestour und schon klingt es ,normal‘ für jeden der regelmässig MTB fährt. lächel

Natürlich ist eine Fünf-Tagestour in Mecklenburg Vorpommern oder im Thüringerwald etwas anderes als in den Alpen und da vor allem im hochalpinen Gelände. Aber grundsätzlich ändert sich weder etwas am zu verwendeten Rucksack, der Ernährung, dem Training oder der Gefahr einer Panne.
Vorsicht gilt auch bei den vielen Büchern zu diesem Thema auf dem Markt. Geschrieben sind sie von Leuten, die ihr Hobby auch zum Beruf gemacht haben oder als gesponsorte Biker viel Zeit haben und dadurch auch andere phys. und mentale Voraussetzungen mitbringen. Man sollte sich nicht an Etappen von 100km und 4000hm messen. Das fahren die wenigsten Mountainbiker. Der Schnitt liegt irgendwo im Bereich um die 40 bis 50km und 1500 bis 2000hm.
Aber eben ... der Durchschnittsmensch sehnt sich nach Grossem. traurig

Die meisten Alpencrossvarianten umfassen im Schnitt 5 bis maximal 8 Etappen, also ein bis anderthalb Wochen.

Das Wichtigste ist und bleibt der KOPF. Hier wird der eigene Erfolg enschieden, von hier kommt die Motivation, im Kopf findet die Planung und die Vorbereitung statt. zwinker



Training?!

Um bei mir zu bleiben, und ich nehme an, die meisten Biker sind wie ich ab Mitte März wieder regelmässig auf dem Bike, so ergeben sich bis zum Sommer, der Hauptsaison für die Mehrtagestouren in den Alpen, genug Höhenmeter und Kilometer. Was soll ich da noch speziell trainieren. Ich habe nicht vor irgendwelche Bestmarken aufzustellen, nein, ich nutze einen Teil meiner Ferien, geniesse dabei die Natur und versuche auch immer mit Menschen in den entsprechenden Regionen in Kontakt zu kommen, ob es der Hüttenwirt ist, ein Almbauer, Einheimische und auch Gäste.
Und es soll am Ende Spass machen und Erholung generieren. lächel
Aus meiner Sicht ist für jeden regelmässigen Biker ein spezielles Training überflüssig.

Die Ernährung ... wieso soll ich da etwas verändern?
Ich esse auf was ich Appetit habe und was mir schmeckt und ein Glas Bier oder Rotwein am Abend rundet einen tollen Biketag ab.
Für unterwegs sind Bananen und Trockenfrüchte immer gut.

Was Ersatzteile und Werkzeug betrifft, so habe ich einen Erstzschlauch, Flickzeug und eine Garnitur Bremsbeläge mit, dazu die gängigen Werzeugtools und Luftpumpe. Mehr braucht es nicht und einen Bikeshop für Gröberes gibt es heute fast in jedem Bergtal.
Ausser einem Plattfuss hatte ich auch noch nie technische Probleme.
Ob ich nun mehrere Etappen in Norddeutschland oder in den Alpen fahre, das Bike sollte vorher immer auf den technisch einwandfreien Zustand gecheckt werden.


Der Rucksack sollte gut passen, bequem sitzen und nicht auf die Schultern drücken. Das Gewicht überschreitet bei mir inklusive Trinkflaschen und Eigengewicht selten 6 kg.
Man sollte den Rucksack ,intelligent‘ packen, so kann man auch noch einmal Einfluss auf den Tragekomfort nehmen.
Trinkblase ja oder nein, ist individuelle Entscheidungssache.

Ein Fleece, eine Ultralight-GoreTex-Jacke, zwei Hosen, zwei kurze und ein langes Shirt, einmal Funktionswäsche, zwei Paar Socken und eine normale Unterhose für die Abende, das reicht mir.
Knie- und Armschützer können von Vorteil sein, beanspruchen aber zusätzlichen Platz.
Kartenmaterial, Fotoapperat und das Smartphone jeweils mit Ladekabel bringen dann auch noch etwas Gewicht.
Ich habe schon oft überlegt, den Fotoapparat zu hause zu lassen, denn die Eindrücke können Bilder am Ende auch nur begrenzt wiedergeben.
Trotzdem ist es natürlich schön, ein paar Erinnerungen für Freunde (und das Forum hier) zu haben. lächel

Pass, Bargeld, Maestro, Kreditkarte sowie die Regakarte und das GA habe ich natürlich auch immer dabei ... ok, den Reisepass vergesse ich manchmal.

Respekt vor den Bergen, wie allgemein vor der Natur, sollte man haben, aber keine Angst.
Das Gefährlichste in den Alpen ist ein plötzlicher Wetterwechsel und der geht sehr schnell.



Was für Biker aus dem Flach- oder Mittelland noch ein zu beachtender Punkt sein kann, ist die Höhe. Ab 2000m spürt man die Höhe und ab 2500m merkt man auch, dass da doch etwas weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Da kann auch eine relativ normale Steigung ziemlich anstrengend werden. Aber daran gewöhnt sich ein gesunder Körper relativ schnell.
Deshalb die Einstiegsetappe etwas kürzer wählen.


Fazit:

Das Wetter ist ein zentraler Punkt.
Bei der Planung das Verhältnis Höhenmeter zu Distanz beachten.
Immer eine Reservezeit einplanen.
Bei Trage-bzw. Schiebepassagen die Zeit für die Etappenplanung realistisch einschätzen.
Nicht zu viel mitschleppen.
Geländetüchtige MTB-Schuhe mit sehr guter Traktion und gutem Grip. Sie sollten eingefahren bzw.-gelaufen sein.

Ansonsten ist eine Mehrtagestour durch die Alpen keine grosse Kunst, eigentlich etwas Normales, wie jede andere Mehrtagestour auch.

Ride on ... die Berge freuen sich auf dich. lächel





Tempora mutantur, et nos mutamur in illis. (Ovid)

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  01.03.2014 13:39


2 bieker

Cooler und interessanter Beitrag, auch wenn bei mir diese Saison keine Alpencross geplant ist lächel

Schön ach zu sehen, dass sich neue Mitglieder so toll einbringen, weiter so zwinker

you canyou cannot buy happiness but you can buy a bike and that’s pretty close

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  01.03.2014 14:19


3 AlexMC

Ein sehr guter Beitrag.
Ja ist im Prinzip "nur" eine Mehrtagestour, wobei ja Alpencross nicht gleich Alpencross ist, je nachdem was für eine Strecke man wählt.
Mir wäre es ehrlichgesagt zu stressig, davon habe ich im real life genug.

wir brauchen Probleme ...und keine Lösungen...

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  01.03.2014 21:44


4 Basher (Ex-Mitglied)

Vielen Dank , Thomas ! lächel

Auf viele Fragen gut eingegangen und ich habe einen anderen Blick auf die Dinge !
Sollte ich es dieses oder nächstes Jahr schaffen so etwas zu unternehmen werde ich mich an diesen Fred erinnern !

THX ! lächel

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  02.03.2014 16:30


5 raphrav

Heya,

ich sehe es etwas differenzierter. Ein Alpencross kann viele Gesichter haben.

Als 18jähriger bin ich mit zwei Kumpels los. Das ganze war null vorbereitet, wir waren durchschnittlich fit, haben unsere Räder, mit denen wir sonst zur Schule gegurkt sind geschnappt, mit allem möglichen, was wir für wichtig hielten kreuz und quer beladen und sind einfach los. Bodensee, Rheintal hoch nach Thusis, die Via Mala nach Hinterrhein, von dort über den San Bernardino und dann über Messocco und Bellinzona runter an den Lago Maggiore.
Es war chaotisch und lief alles andere als nach Plan. Wir kämpften mit Defekten und saßen bei Radhändlern, sind nachts einmal im Neuschnee fast erfroren, wir hatten keinen Plan für den Rückweg, meine Achillessehne entzündete sich, aber wir kamen (wenn auch einen Tag später als geplant) an und es war der Hammer. Das war definitiv in den Top5 meiner schönsten Urlaube. Gut, im Nachhinein gesehen hatten wir außerordentliches Glück, aber was solls, das hatten wir uns auch verdient. zwinker

Letztes Jahr versuchte ich mich aufs neue daran. Diesmal mitm MTB, diesmal Heckmair-Route, diesmal mit einem richtig ordentlichen Trainingszustand und diesmal auch alleine.
Ums kurz zu machen... Viele hier kennen die Geschichte: Es lief ansich perfekt, ich war nach zweieinhalb Tagen am Scalettapass, aber ich wollte nicht mehr. Ich kehrte um und nahm den Zug von Davos nach Hause, saß aber zwei Tage später wieder aufm Bike.
Ich kann bis heute nicht genau sagen, woran es letztendlich lag, was letztendlich der eigentliche Grund war, dass es schief ging.



Was ich bisher lernte: Klar, zu schaffen ist es allemal. Und nur, weil ich das schonmal gepackt hab, bilde ich mir nichts darauf ein. Aber dennoch sollte man es wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ein Alpencross ist nach wie vor eines der größeren Projekte, die man auf zwei Rädern anpacken kann. Das erste Mal hat nur funktioniert, weil Zufall und Schutzengel definitiv auf unserer Seite waren, ich würde heute vieles von damals nicht mehr riskieren.
Und das andere mal hat's nicht funktioniert, obwohl aufm Papier eigentlich alles in Butter war.

Irgendwo gehört schon eine gewisse Bereitschaft dazu, sich darauf einzulassen und auch ein gewisses Verantwortungsgefühl sich selbst und seiner Umgebung gegenüber. Man sollte einfach wissen, was geht, was nur unter Vorbereitung geht, und was nicht geht. Man sollte ehrlich zu sich sein und sein Verhalten danach ausrichten, zur Not mit frustrierenden Konsequenzen. Nicht umsonst beklagen sich die Bergwachten über eine steigende Anzahl von Deppen, die sie ausm Berg holen müssen, weil das Vorhaben unter den gegebenen Umständen nicht einmal hätte klappen können.

Dennoch, klar: Wer wirklich gewillt ist, das durchzuziehen und zu schaffen, wer bereit ist, dafür Zeit und Anstrengungen zu investieren, der packt das auch! lächel



Und naja, dieses Jahr versuche ich es wieder. Wieder Heckmair, nur diesmal mit noch besserer Vorbereitung (Karten liegen jetzt schon rum) und vor allem wieder mit Tourpartnern, allesamt erfahrene Biker und auch nicht zum ersten mal in den Bergen. Diesmal klappt's! lächel

Grüße,
Raph

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  02.03.2014 19:48


6 Basher (Ex-Mitglied)

@Raph :

Drücke Dir die Daumen dass es klappt ! lächel
Das Problem welches Du schilderst kenn ich auch .
Top vorbereitet und mit 2 Kumpels auf dem Weg einmal rund um halb Niedersachsen ... nach ~100km war bei mir die Luft komplett raus - warum ? Keine Ahnung ... hmmm
Dabei bin ich Strecken von ~ 100KM gewöhnt - also nix besonderes .
Woran es lag kann ich mir bis heute nicht erklären ... ^^

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  02.03.2014 22:07


7 TOSTO

@Raph:

Da drücke auch ich Dir die Daumen. lächel
Und denke daran ... der Erfolg liegt im Kopf!

Noch zu deiner Antwort:

Dein erster Alpencross war geprägt von einer Unbeschwertheit und Leichtigkeit der Jugend. Der Kopf war frei, ohne viel Gedanken an Fitness, mögliche Pannen oder gar einem Scheitern.

Bei deinem zweiten AX sah das völlig anders aus. Übermotivierte Vorbereitung, der Kopf nicht frei und wohl der Druck auf dich selbst zu gross. Da kam das Loch und die Luft war raus. Dann stellt sich natürlich die Frage nach dem Sinn und wenn Du dir diese nicht mehr positiv beantworten kannst ... Finito.

Ok, allein ist auch nicht jedermanns Sache, da braucht es eine eigene starke Disziplin, die ständige Motivation, denn da bist nur du selbst, der sich motivieren kann und ein fester Wille.

Aber dieses Jahr wirst Du es schaffen ... ich sehe, Du hast den Willen.

@Basher:

'nach ~100km war bei mir die Luft komplett raus' ... ich glaube Du konntest dich einfach nicht mehr motivieren. Zu viel Ballast, da fehlte diese Lockerheit die man braucht, um so was zu Ende zu bringen. Wenn die fehlt, ist eben auch die grosse Freude und damit die Motivation weg.


Gruss Thomas


Tempora mutantur, et nos mutamur in illis. (Ovid)

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  03.03.2014 18:58


8 raphrav

Hey,

Zitat von Basher

Drücke Dir die Daumen dass es klappt ! lächel

Zitat von TOSTO

Da drücke auch ich Dir die Daumen. lächel
erstmal danke euch beiden! lächel

Zitat von TOSTO

Bei deinem zweiten AX sah das völlig anders aus. Übermotivierte Vorbereitung, der Kopf nicht frei und wohl der Druck auf dich selbst zu gross. Da kam das Loch und die Luft war raus. Dann stellt sich natürlich die Frage nach dem Sinn und wenn Du dir diese nicht mehr positiv beantworten kannst ... Finito.

Ok, allein ist auch nicht jedermanns Sache, da braucht es eine eigene starke Disziplin, die ständige Motivation, denn da bist nur du selbst, der sich motivieren kann und ein fester Wille.
Jein.

Vorbereitet war ich auch nicht wirklich. War vielleicht der Haken. Einer der Gedanken, die kreisten, war: "Scheiße, wie bekommste das Bike wieder zurück?"

Der Trainingszustand war ohnehin vorhanden. Druck hab ich mir, schon alleine durch die zwei Wochen Vorlauf, auch nicht wirklich gemacht.

Aber tatsächlich hab ich mir die Sinnfrage gestellt, schon in Schlappin am zweiten Abend. Autsch.
Tags drauf hab ich am Wolfgangpass einfach so mal die Zugverbindung nach St. Margarethen (in Abholnähe zu meinen Eltern) gecheckt (Fehler!) und da war glaub auch schon Feierabend. Am Scaletta wurde mir das dann wohl auch klar.

Und alleine, ja das war definitiv ein Problem.

Zitat von TOSTO

Aber dieses Jahr wirst Du es schaffen ... ich sehe, Du hast den Willen.
Richtig! lächel


Grüße,
Raph

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  03.03.2014 21:57


9 phank61

Schön geschrieben und lesenswert!

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  28.07.2015 16:58


10 Fieselstein

Ihr seid doch doof... jetzt hab ich voll Bock das mal in Angriff zu nehmen.. traurig
Mal für 2016 ins Auge fassen. Dieses Jahr wird das eher eng.. lach
Wer kommt mit? staun

Ein paar Gedanken von mir zum Mythos Alpencross   •  28.07.2015 17:39


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