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Kleiner Erfahrungsbericht

... wenn das die 'Nummer 1 am Platz' ist, mag ich Nr. 2 gar nicht kennenlernen ...

1 jkm

Hallo Forum,

ich habe mich nach einigem Querlesen hier angemeldet. Ich habe den Eindruck, dass hier nicht nur die Extremsportler unterwegs sind - und ich somit vielleicht kompatibel bin.

Kurze Vorgeschichte: Nach krankheitsbedingter Pause habe ich mir irgendwann ein gebrauchtes Fahrrad gekauft, MTB-Bauart 26", ohne Federung, einfach, aber anständig verarbeitet - nach dem Motto »schau erst mal, ob es dir taugt«. Dass das eher für den Giesinger Berg als für den Eiger gedacht ist, ist klar, und dass billige Schaltwerke wenig komfortabel schalten und schnell verschleißen, auch. Insgesamt war ich weitaus zufriedener als gedacht - allerdings wäre langsam eine Runderneuerung fällig, da ist dann die Frage, ob der Aufwand im Verhältnis zum Ergebnis liegt. Scheibenbremsen z.B. gehen gar nicht anzubringen, auch die Rahmengeometrie ist etwas klein (aber gewabert oder geknarzt hat der Rahmen nie).

Also habe ich mich mal umgeschaut, was so angeboten wird. Meine Strategie ist, dabei nicht auf den Preis zu achten, weil man sonst geneigt ist auf die »jetzt um 35 % reduziert« - Masche reinzufallen.

Weil ich sowieso dort war, hab ich mir Baumarkt-Sachen angeschaut. Für die gerade angesagten Tiefeinstieg-Pedelecs fühle ich mich noch nicht alt genug. Über 20"-Kinderräder bin ich eindeutig raus. Dazwischen gibt es dann, je nach Baumarkt, »all-terrain«- oder »mountain«-bikes. Die haben schöne dicke Reifen, aber die kann man auf jede alte Gurke billig nachrüsten, hat mich nicht beeindruckt. Schön bunt waren die Dinger, das hat mir schon gefallen ... aber der nächste Blick ... Horror. Ok, ich verstehe, dass der Eine unter »Federung« etwas versteht, das das Gerumpel von Kopfsteinpflaster entschärft (billig zu bauen, keine schlechte Sache für den Zweck), und der Andere etwas braucht, das für Landungen nach größeren Sprüngen taugt (da ist eher Flugzeug-Technik gefragt). Gut, von mir aus geht die einfache Schraubenfeder durch. Aber wie kommt man eigentlich auf die Idee, für die Schwingengelenke und die Federaufnahmen dünnere Schrauben zu verbauen als Ikea für Beistelltischchen verwendet? Naja, dachte ich mir, da kommt wenigstens niemand nach einem Jahr daher und reklamiert mahlende Lager, weil bis da hin ist der Rest schon lange verbogen; einleuchtend. Aber immerhin: Scheibenbremsen. Shimano 395, Markenware, wenn auch die billigste der Marke. Für ein 250-Euro-Rad schon hochwertig. Man muss halt aufpassen, dass keine tragenden Teile verbiegen, wenn man mal richtig am Hebel zieht.

Nächste Station: Der Händler, der sich als 'Nr. 1' bewirbt. Mit Teststrecke in der Halle, und sehr freundlichen Verkäufern; sie sind bestimmt sehr freundlich, wenn man sie erst einmal ein paar Jahre lang persönlich kennt. Einer davon sprach sogar mit mir. Ich wolle, erzählte ich ihm, zur Findung einer prinzipiellen Kaufentscheidung gerne eines dieser 29er ausprobieren, vielleicht solide Mittelklasse. Da müsse er erst einmal die Größe wissen ... »aber ich stehe doch vor Ihnen - und außerdem können wir dazu ins Detail gehen, wenn ich weiß, ob mir die 29er besser gefallen als das was ich bisher kenne«. Wir gingen schweigend durch die Reihen der Vorführmodelle. »Das da, das hole ich jetzt mal raus.« Der arme Kerl hat gewerkelt wie ein Schmidbauer-Kran.

Da stand also das 29er. Marke unbekannt, aber wohlklingend. Hardtail, Federgabel per Lenkerschalter blockierbar. Krumme Rahmenrohre, krummer Lenker - naja, wohl modern. Ansonsten sah es ordentlich aus. Ab in die Probier-Halle. Sattel zu niedrig, egal. Der Lenker dafür so ergonomisch wie der vom alten UdSSR-Militär-Mopped. Der Hallenwart gab »clear«. Als alter Testfahrer schrottreifer Automobile machte ich bei ca 2 km/h den ersten Bremsversuch: »plong, hüpf«. Komisch. Nochmal ganz sachte - dito. Helm und Protektoren wären richtig, dachte ich mir. Eine zaghafte Runde - vielleicht sprechen die Bremsen ja besser an, wenn man Fahrt hat ... nein. Take-off aborted, schieben ist eh materialschonender. Zurück auf den Ständer - ohne den Verkäufer - es gibt Harleys, die weniger wiegen - trotz Motor.

Ich ging einmal die Runde um andere Ausstellungsstücke, dann zurück, und begutachtete das Prunkstück.

Scheibenbremsen - Shimano 395 - die gleichen wie beim 250-€-Baumarkt-Rad. Montage - weder mittig noch parallel zur Scheibe (Taschenlampe war dabei, Lichtspalt eindeutig) - das muss ja sofort verkanten - dazu das hohe Gewicht, das kann nur blockieren. Muss es wirklich sein, dass man ausgerechnet Vorführmodelle so ... extravagant ... montiert?

Nächster Blick auf den Preis (siehe oben, sollte nicht das erste Beurteilungs-Kriterium sein) - nur 900 statt 1300 Euro. Aha, in dieser Preisklasse gibt es also überschwere Rahmen und billigste Bremsen, interessant. Geschäft verlassen, logisch.

Nächste drei, vier Läden (incl. Karstadt Sport) - gleiches Fiasko - nein, fast gleich, schon insgesamt besser. Dennoch: Mischung aus hochwertigen und billigsten Teilen, überwiegend ebenfalls madig zusammengeschraubt.

Ein Kinderrad mit Seilzug-Scheibenbremsen war ordentlich zusammengebaut, da fehlte nichts. Beläge parallel und in gleichem Abstand, Wirkung dosierbar (was unter Last passiert, ist davon natürlich nicht ableitbar). Das hat wohl die Putzfrau gemacht, weil der Mechaniker krank war.


So, jetzt die Frage ans Forum:

Lohnt sich Einzelteil-Kauf (natürlich wird das insgesamt sehr teuer), gibt es Händler, die vernünftige Ware haben (also nicht z.B. billigste Shimano-Bremse am Fahrrad für angeblich 1300 UVP), oder ratet ihr mir zu Geduld und Gebrauchtmarkt?


Eines ist jedenfalls sicher: Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist das Baumarkt-Fahrrad dem vom 'Händler Nr. 1' weitaus überlegen. Problem: Beide taugen nichts ...


Oder soll ich mir ordentliche Laufschuhe kaufen?


- jkm -

Kleiner Erfahrungsbericht  •  22.05.2014 00:18


2 eggen

Schöner Text, war sehr unterhaltsam zu lesen lach

Die schlampige Montage wirft kein gutes Licht auf den Händler. Man kann die bikes bei großen Mengen sicher nicht alle immer top einstellen aber zumindest vor einer Probefahrt muss man mal ein Blick drauf werfen, die Bremsen ggf. einstellen und unbedingt den Sattel anpassen... der will das Ding schließlich verkaufen und dann muss sich das bike schon ordentlich präsentieren!

Bei den Preisen muss man natürlich sagen das das grade ne ganz schlechte Zeit ist um nach Schnäppchen zu suchen.
Die haben grade die Lager voll mit neuen bikes und bei dem Wetter haben die grade genug "Dumme" die ihnen die bikes für teuer Geld abnehmen.

Vom Baumarkt hingegen würde ich abraten, damit handelt man sich nur Ärger ein.
Dann schon lieber ein gutes Gebrauchtes nehmen und ggf. hier und da mal ein Teil tauschen wenn es nichts mehr taugt.
Lieber gebrauchte Qualität als neuen Schrott!

Was in dem Text jetzt nicht steht ist was du denn überhaupt suchst und wie viel du ausgeben willst?
Dir kann doch bestimmt geholfen werden, alles ist besser als Laufen zwinker

Kleiner Erfahrungsbericht  •  22.05.2014 10:32


3 Francesco2310

Ordentliche Laufschuhe sind durchaus empfehlenswert, wenn du sie anstelle des Autos zum Marschieren verwendest und damit Umwelt und Geldbeutel schonst. Wenn du sie allerdings zum Laufen verwendest, ruinierst du dir nur langfristig die Gelenke. Ein nach individuellem Geschmack aufgebautes Bike lohnt sich auf jeden Fall. Es geht nichts über einen schönen, soliden, optisch ansprechenden Rahmen und erstklassige, sorgfältig ausgewählte und auf den persönlichen Bedarf ausgerichtete Komponenten. Es gibt natürlich auch zuverlässige Händler, welche ihre Kunden individuell beraten und die auch Bikes von hoher Qualität führen und außerdem auch noch durch ihre angeschlossene Fachwerkstätte herausragende Reparatur- und Serviceleistungen bieten. Da kann ein Alu-Hardtail aber durchaus schon um die 2000,-Euro kosten (z.B. das Simplon Dilly) oder ein Carbon-Hardtail um 3500,- (z.B. Simplon Razorback).

Kleiner Erfahrungsbericht  •  22.05.2014 12:13


4 jkm

... danke für die Antworten.

Das Konzept »Baumarkt« ist mir klar - einerseits echte oder auch nur vermeintliche Schnäppchen, andererseits überteuerte Kleinteile; qualitativ gute Ware (z.B. bei Werkzeug sehr deutlich sichtbar) meist teurer als beim Fachhändler (soweit noch vorhanden). Da werde ich sicher nicht unbedacht zugreifen.

Mit dem Neuaufbau werde ich mir etwas Zeit für Gedanken usw. lassen. Das »Neue« soll ja auch alltagstauglich sein, und da gibt es nun mal die Probleme (1) Vandalismus, (2) Beschädigung durch Dummheit und dann abhauen (»hihi, hat ja keiner gesehen«) und (3) bargeldloser Export durch spezialisierte Betriebe, denen sich die Polizei ausdrücklich nicht gewachsen sieht. Andererseits verlangen die offiziellen Wege in der Stadt durchaus nach Geländegängigkeit, und ein bisschen Spaß soll das dann ja auch noch machen.

Ich werde bei Gelegenheit hier einfach nach übrigen Teilen nachfragen.

Ich war dann doch ziemlich irritiert über die Qualität der Fachhändler (jedenfalls der großen, die auch eine entsprechende Anzahl an Vorführmodellen haben). Auch das Preisniveau - sogar der »Super-Angebote« - ist teilweise indiskutabel (z.B. jenes oben beschriebene Modell, dessen Namen ich natürlich nicht öffentlich nennen mag - kaum mehr als Baumarkt-Niveau, aber doppelt so teuer). Das wollte ich einfach mal weitersagen ...

Kleiner Erfahrungsbericht  •  22.05.2014 16:18


5 jkm

Update:

Ich habe dann eine interessanten Restposten-Rahmen aus China, Shenzen, bestellt.

Für morgen hat fedex die Lieferung angekündigt, aber freundlicherweise Phantasie-Werte verzollen lassen, so dass das Ganze noch 3 Monate Nachspiel haben wird; selbstverständlich lagen fedex die relevanten Visa-Zahlungsauszüge vor. Die sind zu dumm, ein Gurkenglas aufzumachen, schlimm.

Und die sachkundige fedex-Verzollung kostet dann nochmal extra.

Der Versender hat alles draufgeschrieben, richtigen Kaufpreis, private Verwendung, sogar die Zoll-Artikelnummer.

Ich sehe schon das breite Grinsen meines Anwalts, aber auch das mütterliche Gesicht der Richterin, die beschließen wird, dass obgĺeich der Sachverhalt ja klar ist, sich klagende und beklagte Parteien kostenteilend verpflichtet werden.

PFUI TEUFEL.

Kleiner Erfahrungsbericht  •  26.05.2014 04:11


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